Atemtherapie – unterschiedliche Methoden, gleiches Ziel1

Ob Autogene Drainage (AD), Active Cycle of Breathing Techniques (ACBT) oder die Technik nach Guy Postiaux: Damit eine Atemtherapie bei Menschen mit Mukoviszidose optimal wirkt, muss diese unbedingt korrekt ausgeführt werden.

Atemtherapie – unterschiedliche Methoden, gleiches Ziel 1

Ob Autogene Drainage (AD), Active Cycle of Breathing Techniques (ACBT) oder die Technik nach Guy Postiaux: Damit eine Atemtherapie bei Menschen mit Mukoviszidose optimal wirkt, muss diese unbedingt korrekt ausgeführt werden.

Anleitung durch kompetente Therapeuten benötigen nicht nur die Patienten, sondern auch deren Angehörige – allen voran die Eltern betroffener Kinder. Das grundlegende Ziel der Atemphysiotherapie ist dabei, die bestmögliche Wiederherstellung und Erhaltung einer „normalen“ Atmung.2

Prinzipiell gilt es, zwei Veränderungen in der Lunge vorzubeugen, gegebenenfalls auch gegenzusteuern: der Verengung der Bronchien und der darauffolgenden Überblähung der Lunge. Dazu kann es kommen, wenn die Bronchien durch zähen Schleim teilweise verstopft sind. Vor allem die Ausatmung bleibt dann unvollständig, wodurch stets ein Rest der Luft in den Lungen zurückbleibt und die Lungenbläschen überdehnt werden. Das Abklopfen, mit dem früher versucht wurde, den zähen Schleim aus der Lunge zu befördern, hat sich als ineffektiv erwiesen und gilt längst als veraltet.

Mit der Atemtherapie werden zuerst die gesunden Bereiche der Lunge erreicht. Damit die Übungen auch an den aktuell betroffenen Stellen des Organs wirken, haben Physiotherapeuten spezielle und dennoch schonende Techniken entwickelt, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nachgewiesen ist und die sich in der Praxis bewährt haben.

Autogene Drainage (AD)1

Die Autogene Drainage (AD) als Physiotherapie bei Mukoviszidose ist die in Deutschland am häufigsten eingesetzte Atemtherapie. Sie fördert die Selbstreinigung der Bronchien sehr effektiv. Mukoviszidose-Patienten erlernen die Technik bereits im Kindesalter und können sie schon früh selbstständig durchführen. Zunächst gilt es, langsam und tief einzuatmen. Dann wird die Luft für einige Sekunden angehalten, damit sie sich in allen Lungenabschnitten verteilen kann.

Anschließend lässt man die Luft passiv ohne Widerstand ausströmen, wodurch das Sekret mundwärts abtransportiert wird. Zuletzt wird die restliche Luft durch Anspannen der Bauchmuskulatur ausgepresst, wodurch die Lunge entbläht wird. Optimieren lässt sich die Wirkung durch den Einsatz von Atemtherapiegeräten, die dem Strom der Ausatmung einen Widerstand bieten oder die Luft in Schwingungen versetzen.

Assistierte autogene Drainage (AAD)1

Die assistierte autogene Drainage (AAD) ist eine Abwandlung der AD und eignet sich für Säuglinge, Kleinkinder, sehr schwache und schwer kranke Patienten sowie Menschen mit mentalen Einschränkungen, die diese Technik nicht selbst aktiv durchführen können. Der Therapeut unterstützt aktiv das Atemmuster der AD: Zu Beginn wird die Atmung mit den Händen durch den Therapeuten „erspürt“.

Dadurch entsteht eine Führung beim Einatmen (Kontaktatmung). Beim Ausatmen wird der Bewegung des Brustkorbs gefolgt und ein leichter Nachdruck ausgeübt. Begleitende therapeutische Maßnahmen, wie das sanfte Bewegen der oberen und unteren Rippen mit der Atembewegung, verschaffen weitere Entlastung.

Active Cycle of Breathing Techniques (ACBT)1

Als Physiotherapie bei Mukoviszidose ist ACBT eine Selbsthilfetechnik zum Reinigen der Atemwege. Auch sie fördert die Mobilisierung und Entfernung des überschüssigen Bronchial­sekrets.

ACBT beginnt mit ruhigen Atemzügen, dann folgen drei bis vier vertiefte Atemzüge. Anschließend beginnt das sogenannte Huffing: Man stelle sich vor, eine Glasscheibe anzuhauchen. Dies fördert tiefes Ausatmen und unterstützt das Abhusten. Die konkrete Ausführung ist für jeden Patienten individuell und seinen momentanen Bedürfnissen entsprechend flexibel anzupassen.

Technik nach Guy Postiaux1

Die Technik nach Guy Postiaux als Physiotherapie bei Mukoviszidose wird vor allem in Frankreich und Lateinamerika eingesetzt: Zunächst erhebt der/die Therapeut*in einen spezifischen Befund durch Abhören der Lunge mit dem Stethoskop. Basis der Atemübungen ist langsames Einatmen.

Anschließend wird langsam ausgeatmet, wodurch vor allem die Reinigung der Bronchiolen gefördert werden soll. Die Ausführung der Übungen in Seitenlage soll dem Zwerchfell Bewegungsspielraum verschaffen und somit die Atmung zusätzlich vertiefen.

Postiaux‘ Technik der Säuglingsbehandlung betrachten viele Fachleute als kritisch, da sie das Abhusten über eine Reizung des Kehlkopfes provoziert.

Atemtherapie bei Kindern und Jugendlichen3

Schulpflichtige Kinder und Jugendliche haben weniger Zeit für Physiotherapie. Zudem haben sie häufig keine Lust auf die zunehmenden Verpflichtungen (Zähneputzen, Hausaufgaben, Atemtherapie etc.). Bei Kindern in diesem Alter ist es die Aufgabe des/der Physiotherapeuten/ Physiotherapeutin, sie zu motivieren und in die Verantwortung miteinzubinden.

Besonders in der Pubertät, in der für viele Jugendliche alles andere wichtiger ist als die Therapie, müssen diese lernen, Eigenverantwortung für sich und ihre Therapie zu übernehmen. Die erlernten Techniken und Übungen wie Autogene Drainage, therapeutische Körperstellungen und atemerleichternde Stellungen sollten weiterhin geübt werden. Klassische Physiotherapie ist täglich erforderlich, aber gerade für Kinder oft eine lästige Prozedur.

Alternative Ansätze binden deshalb ein Didgeridoo in die Therapie ein. Hierbei handelt es sich um ein traditionelles Blasinstrument der nordaustralischen Aborigines, welches Töne mit einer Grundtonfrequenz von ca. 70 Hz. erzeugt. Wer einem Didgeridoo Töne entlockt, versetzt also gleichzeitig die Luftsäule in den Atemwegen mit dieser Frequenz in Schwingung.

Auf diese Weise lässt sich die Lungenfunktion spielerisch verbessern.

Atemtherapie bei Säuglingen3

Säuglinge sollten so früh wie möglich an die Physiotherapie herangeführt werden, um zu lernen, dass diese ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens ist. Arbeiten Säuglinge frühzeitig mit einem/r Physiotherapeuten/ Physiotherapeutin, gewöhnen sie sich meist schnell daran.

Beginnt die Therapie erst nach einigen Monaten, besteht die Gefahr, dass sie fremdeln. Übrigens kommen bei Säuglingen in der Atemphysiotherapie passive Techniken zum Einsatz. Bereits in diesem Alter muss begonnen werden, die Inhalation zu üben. Darüber hinaus sollten die Eltern grundlegende Hygienemaßnahmen erlernen. Kleinkinder sind häufig schwer zu bestimmten Aktivitäten zu bewegen. Wichtig ist, dass sie lernen, sich selbst zu helfen. Atem- und Hustentechniken können z. B. über Pustespiele und Singen vermittelt werden. Hinzu kommt die Schulung der Wahrnehmung und therapeutische Körperstellungen.

REFERENZEN

1. Jovita Zerlik: Physiotherapie International. Vortrag beim Jubiläums-Symposium anlässlich des 30-jährigen Bestehens des AK Physiotherapie des Mukoviszidose e. V., München, 11.05.2013.

2. AG Atemtherapie: Ziele & Aufgaben. Atemphysiotherapie – Atemtherapie in der Physiotherapie. URL: https://www.ag-atemphysiotherapie.de/ziele-aufgaben.html (zuletzt aufgerufen am 05.03.2021).

3. Catalina Abel: Vortrag bei der 18. Deutschen Mukoviszidose-Tagung, Würzburg, 19. – 21.11.2015.